Jedes Jahr reisen Besucher aus aller Welt in die Niederlande, um die spektakulären Tulpenfelder des Keukenhofs zu bewundern. Der weltberühmte Blumenpark liegt in Lisse, unweit von Amsterdam, und zählt zu den bekanntesten Frühlingszielen Europas. Doch lange bevor sich der Keukenhof in ein farbenprächtiges Tulpenparadies verwandelte, hatte das Gelände einen ganz anderen Zweck. Seine Geschichte reicht mehrere Jahrhunderte zurück und erzählt von Adel, Landschaftsarchitektur und niederländischer Gartenbauinnovation.
Die Ursprünge: Der Küchengarten einer Gräfin
Die Geschichte des Keukenhofs beginnt im 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gehörte das Land der Gräfin Jacoba van Beieren (Jakobäa von Bayern). Das Anwesen diente als Jagdgebiet und lieferte Kräuter, Obst und Gemüse für die Küche des nahe gelegenen Schlosses Teylingen.
Daher stammt auch der Name Keukenhof. Auf Niederländisch bedeutet er wörtlich „Küchengarten“. Auf dem Gelände wurden Zutaten für die Schlossküche angebaut, wodurch es sowohl einen praktischen als auch einen produktiven Zweck erfüllte.
Im Laufe der Zeit wechselte das Anwesen mehrmals den Besitzer, doch der Name blieb bestehen. Was als einfacher Küchengarten begann, sollte sich schließlich zu einem der berühmtesten Blumengärten der Welt entwickeln.
Die Gestaltung der Gärten des Landguts Keukenhof
Im Jahr 1857 wurde das Anwesen grundlegend umgestaltet. Die Landschaftsarchitekten Jan David Zocher und Louis Paul Zocher wurden mit der Neugestaltung der Schlossgärten beauftragt. Sie waren auch für die Gestaltung des berühmten Vondelparks in Amsterdam verantwortlich.
Rund um das Schloss Keukenhof schufen sie einen eleganten Garten im englischen Landschaftsstil. Das Design umfasste geschwungene Wege, weitläufige Rasenflächen, Teiche und natürlich wirkende Grünanlagen. Viele Elemente dieses historischen Entwurfs bilden noch heute die Grundlage für die Gestaltung des Keukenhofs.
Obwohl die Gärten bereits beeindruckend waren, blieb der Keukenhof zu dieser Zeit ein privates Anwesen und war noch nicht der öffentlich zugängliche Blumenpark, den wir heute kennen.
Die Entstehung der Blumenausstellung
Der moderne Keukenhof entstand im Jahr 1949. Eine Gruppe niederländischer Blumenzüchter und Exporteure hatte eine Idee: Sie wollten einen Ort schaffen, an dem Züchter ihre Frühlingsblumen, insbesondere Tulpen, Käufern aus aller Welt präsentieren konnten.
Das Landgut Keukenhof erwies sich als idealer Standort. Im Jahr 1950 öffnete der Park erstmals offiziell seine Tore als Frühlingsblumenausstellung.
Die Resonanz war überwältigend. Bereits im ersten Jahr kamen mehr als 200.000 Besucher, um die Blumen zu bewundern. Das Konzept entwickelte sich schnell zu einem großen Erfolg und machte den Keukenhof zu einem internationalen Symbol der niederländischen Blumenkultur.

Der Keukenhof heute
Heute wird der Keukenhof häufig als „Garten Europas“ bezeichnet. Jedes Jahr:
- werden rund 7 Millionen Blumenzwiebeln von Hand gepflanzt
- werden mehr als 800 verschiedene Tulpensorten präsentiert
- besuchen Menschen aus über 100 Ländern die Gärten
Der Park erstreckt sich über 32 Hektar und ist jedes Frühjahr nur etwa acht Wochen lang geöffnet, normalerweise von Mitte März bis Mitte Mai. Während dieser kurzen Zeit verwandelt sich der Keukenhof in eine farbenprächtige Ausstellung aus Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und zahlreichen weiteren Frühlingsblumen.
Den Keukenhof von Amsterdam aus besuchen
Der Keukenhof liegt etwa 40 Minuten von Amsterdam entfernt und eignet sich daher hervorragend für einen Tagesausflug im Frühling. Viele Reisende verbinden einen Besuch der Gärten mit einer Fahrradtour durch die umliegende Bollenstreek, die berühmte niederländische Blumenregion, in der sich während der Blütezeit endlose farbenfrohe Tulpenfelder über die Landschaft erstrecken.
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